Silvester unter den Nordlichtern
Im Land aus Feuer, Eis und Lava


Als krönenden Abschluss gönnte ich mir einen Trip nach Island – Reykjavik ist momentan DIE Adresse, um Silvester zu feiern, habe ich mir sagen lassen. Außerdem ist mein Neffe in einem Erasmus-Programm auf Island und nahm seine Tante herzlich auf. Entsprechend führte mich nicht nur ein Fast-Einheimischer durch die nördlichste Hauptstadt der Welt, sondern er lieh mir sogar sein Auto und so konnte ich an der Südküste noch ein paar reizvolle Stationen besuchen. Nach der nervenaufreibenden Hektik rund um den Jahreswechsel und dem ereignisreichen und reiseintensiven Jahr war Island der perfekte Ort, um zur Ruhe zu kommen.

Bei meiner Ankunft in Kevlavik flimmerten bereits die ersten sanft-grünen Nordlichter über den Himmel – ein gutes Omen für meinen Aufenthalt. Schon am nächsten Morgen erwartete uns das nächste Naturschauspiel um 10 Uhr: ein umwerfender Sonnenaufgang, der sich in der Harpa (Konzerthaus am Hafen) spiegelte, während die dunklen Schwefelbecken davor in der Kälte dampften. In den darauffolgenden Tagen zeigte mir Marius weitere Attraktionen der Stadt wie die Hallgrímskirkja, das Metall-Vikingerschiff „Sonnenfahrt“, das strahlendweiße Höfdi-Haus (in dem Gorbatschow und Reagan ihre Abrüstungsverhandlungen führten), den weiten Tjörnin-See (der im Winter teilweise beheizt wird, damit Enten und Gänse dort überwintern können) und vieles mehr.

Zwischendurch gönnten wir uns im Perlan eine heiße Suppe auf der sich langsam drehenden Aussichtsplattform. Auch der Blauen Lagune statteten wir einen Besuch ab und genossen das heiße Wasser inmitten einer unwirklichen Lavalandschaft. Die Abende ließen wir in Restaurants oder in den Hotpots in einem der vielen Thermalbäder von Reykjavik ausklingen. So ging es bis Silvester und am Silvesterabend erlebte ich in einem fröhlich feiernden Menschenmeer an der Hallgrímskirkja das Feuerwerk meines Lebens! Marius zog danach mit seinen Freunden in einen angesagten Club mit jeder Menge herausgeputzten Isländern weiter – ich verabschiedete mich am Eingang, um früher daheim zu sein und letzte Reisevorbereitungen abzuschließen.

Und während ich die Route für die nächsten Tage noch einmal in Googlemaps eingab, flatterte mir eine E-Mail ins Postfach mit dem Hinweis auf einen unheimlich praktischen Online-Rechner. Bei diesem Rechner gibt man einige Eckdaten von seinem Unternehmen ein und anschließend berechnet er, ob sich BPO für das eigene Unternehmen finanziell lohnt und wenn ja, in welcher Höhe. Man kann sogar kostenlos eine präzise Aufstellung und Auswertung dazu anfordern. Das werde ich machen und meinem Chef auf den Schreibtisch legen, denn wenn er Schwarz auf Weiß hat, dass uns Lohnoutsourcing sogar Kosten sparen könnte … Und so startete das neue Jahr mit einer Extraportion Hoffnung – natürlich habe ich Euch den Online-Rechner sofort in meinen Notizen verlinkt.

 

Am nächsten Tag machte ich mich mit Marius‘ Auto auf den Weg und kam vom ersten Moment an aus dem Staunen kaum mehr heraus: Eisverhangene oder gar komplett gefrorene Wasserfälle, ein tosendes Meer am schwarzen Lavastrand, skurrile Berge und Felsen, Gletscherzungen im Nationalpark Skaftafell, die strahlend blaue Gletscherlagune Jökulsárlón – und je weiter ich in die östliche Einöde kam, umso klarer leuchteten nachts die Nordlichter. Nur das Wetter war gewöhnungsbedürftig, da sich hier -4 Grad anführen wie -15 Grad in Deutschland. Zum Abschluss meiner Reise machte Marius mit mir die Golden-Circle-Tour um die kein Tourist herumkommt – zurecht! Denn die Geysir-Landschaft, den atemberaubenden Wasserfall Gullfoss und die ehemalige Thing-Stätte „Thingvellir“ inklusive der Silfra-Spalte, einer Spalte zwischen den Kontinentalplatten, muss man einfach gesehen haben.

Nach diesen Erlebnissen war es schwer, sich von Marius und von Island zu verabschieden. Aber nun heißt es, sich endgültig im Leben jenseits von romantischen Gondelfahrten, wildem Großstadtleben und Gletscherlagunen wieder zurecht zu finden (was mir mein lieber, wie vermutet inzwischen recht übergewichtiger Bruno unendlich erleichtert). Das Reisen werde ich mir jedoch erhalten, so viel steht fest! Und darauf musst Du auch jederzeit gefasst sein, Chef :)

Heimkehrerische Grüße
von Eurer Rosi

Meine Tipps für Island:

  • Für Island sollte man mehr Budget einplanen als für andere Reisen, außer man möchte sich durchgängig von Hot Dogs ernähren
  • Frieren ist im Winter für einen Nicht-Isländer völlig normal. Jede Kleidungsschicht ist wertvoll – bei mir waren es trotzdem nie genug.
  • Je weiter man aus der Zivilisation hinausfährt, umso deutlicher werden die Nordlichter (wenn es denn welche hat und die Wolken die Sicht nicht versperren).
  • Im 300 Einwohner starken Vìk kann man perfekt eine kurze Pause einlegen und sich an einer kleinen Raststätte mit Essen und günstigen Souvenirs eindecken.
  • Geheimtipp in Reykjavik: das Àsmundur-Sveinsson-Skulpturenmuseum direkt am Meer
  • Must See: Golden-Circle-Tour, Blaue Lagune, Black Sand Beach nahe Vìk, Nationalpark Skaftafell, die Brücke zwischen den Kontinenten, die Laugarvatn Fontana und eine Geschmacksprobe vom im Boden gebackenen kuchenähnlichen Brot